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LESEPROBEN 14 | Bildung und Kultur

   „Am besten wird der Bauer und Handwerker die Ersparnisse in seinen Kindern anlegen, durch gute Bildung, gediegene Erziehung derselben. Gut erzogene Kinder sind jedenfalls eine bessere und sichere Ersparnis als in Banken angelegtes Geld.“

Nervus rerum (1891), in: Band 1, S. 115.


   „In einem geordneten Staat muss jeder so lange die Schule besuchen, bis er den Sinn der Freiheit, der unbändigen Freiheit erfasst, denn der Freiheitssinn des Volkes ist die Brustwehr und das Fundament des Staates. Es ergibt sich hieraus von selber, dass die Schule staatlich sein soll, denn sie ist zur Erhaltung des Staates bestimmt.“

Nervus rerum (1891), in: Band 1, S. 136.


   „Das Geld ist die Voraussetzung entwickelter Arbeitsteilung und die Arbeitsteilung steht auf den Schultern des Geldes. Als Vorbedingung entwickelter Arbeitsteilung kann man das Geld die Wiege der Kultur nennen. … Das Geld hat ungeheure merkamotorische Kräfte, die, je nachdem sie gefesselt oder nutzbar gemacht werden, ein Land, eine Welt, ein Zeitalter zu ungeahnter Blüte oder in den Abgrund treiben können. Von der Verfassung des Geldes hängt es ab, ob die Mutter aller Kultur, die Arbeitsteilung, lebt oder stirbt.“

Aktive Währungspolitik (1909), in: Band 5, S. 88 – 89 und 129.


   „Wir wären weit über den Kapitalismus hinaus, wenn seit 3000 Jahren durch die Wirtschaftskrisen die Kultur nicht immer wieder die mühsam erklommenen Stufen herunter gestoßen worden wäre, wenn die bettelhafte Armut, in der jede Krise die Volksmassen hinterlässt, nicht die Bettlergesinnung groß gezogen hätte, die nun einmal den Menschen, groß und klein, in den Knochen liegt. … Die Plage des Hungers und der Druck der Schulden sind böse Erzieher.“

Die neue Lehre vom Geld und Zins (1911), in: Band 6, S. 133.


   „Die Aufsicht über Schule und Kirche haben die weit schauenden Staatsmänner immer als das wichtigste Amt ihrer Staatsleitung bezeichnet. Lehrer, Geistliche, Geschichtsschreiber werden am Zaunpfahl auf ihre Pflichten vereidigt. … Wie ist es möglich, so fragt man sich verwirrt, dass einzelne Männer den Boden wie eine gemeine Ware kaufen und verkaufen, den Boden, auf den die Menschheit angewiesen ist wie auf die Luft und das Wasser? … Mit rechten Dingen ist das nicht zugegangen. Die Wahrheit ist eben gebeugt worden von den Beamten in der Schule, in der Kirche.“

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 67.


   „Männer, die man von Kindesbeinen an gewöhnt, sich stundenlang rezeptiv zu verhalten, stundenlang also keinen eigenen Gedanken nachspüren lässt, müssen doch mit der Zeit von der Geleisekrankheit (Routinitis) befallen werden. In ihrem Gehirn hat ein fremder Griffel die eigenen Gedankengänge so oft durchkreuzt, bis sie zerstört und für konstruktive Vorstellungsarbeit unbrauchbar wurden.“

Die Wissenschaft und die Freiland-Freigeld-Lehre (1921), in: Band 12, S. 237.


   „Die Verkehrsmittel – Straßen, Eisenbahnen, Post, Geld – das ist die Domäne des Staates. Alles Übrige ist auch nicht im Interesse des Volkes dem Staate aufgebürdet worden, sondern im Interesse der herrschenden Klasse. Hat der Staat einen Gott, eine Seele, einen Geist? Was braucht er also Kirche, Schule und Universität?“

Die Wissenschaft und die Freiland-Freigeld-Lehre (1921), in: Band 12, S. 266.


   „Bürger, Eltern, Gemeinden mögen sich zusammentun und den Unterhalt der Hochschulen bestreiten. Wie manche Eltern heute bestimmt Finanzgeschäfte abschließen, die ihren Kindern eine Aussteuer sichern sollen, so werden die Eltern Ähnliches tun für Schulen und Hochschulen, sobald der Staat vom Schulwesen entlastet werden wird. … Das Ziel, die ‚abgeschlossene Bildung’, mag man dann mit dem Lebensabschluss zusammen fallen lassen. Man wird also sein ganzes Leben studieren. Man arbeitet und studiert in gesunder Abwechslung. … Die Hochschule dürfte dann wohl am besten mit einer Fabrik verbunden werden.“

Der Abbau des Staates nach Einführung der Volksherrschaft
(2. Aufl. 1921), in: Band 13, S. 60.


   „Das deutsche Volk, so wie es heute dasteht, ist in der Staatskirche, Staatsschule, Staatsuniversität – lauter Vorschulen der Kasernen – dressiert worden. Alles, was wir heute an diesem deutschen Volk bewundern können, muss als ein Erzeugnis der staatlichen Erziehungskunst angesprochen werden. Und zu bewundern finden wir gar vieles. Die Unterwürfigkeit gegenüber den Vorgesetzten, das entsprechend barsche Benehmen gegenüber den Untergebenen, der Kadavergehorsam, die Disziplin, der Korpsgeist, der Parteigeist, die Standesehre, die erstaunliche Einseitigkeit und Phantasielosigkeit (Produkt der einheitlichen Schule), die Lasterhaftigkeit, die aus der Phantasielosigkeit erwächst, die erschreckende Bedürfnislosigkeit in wissenschaftlicher Beziehung, der hierzu gehörende Autoritätsglaube, der Mangel an Individualität, die Heuchelei, die ungeheure Feigheit des Individuums. …
   Das deutsche Volk ist in die unsägliche Schmach gestürzt worden, weil die staatliche Erziehung den Typus des Arnold von Winkelried und von Rosa Luxemburg ausrottet, statt ihn zu fördern. Es wird wohl kaum jemand in der Welt behaupten, dass das deutsche Volk unfähig sei, diesen Typus in der für die Sicherheit des Volkes nötigen Anzahl zu zeugen und zu gebären. Daran liegt es gewiss nicht. Aber die, die geboren werden, werden frühzeitig gekrümmt – nach dem Grundsatz: ‚Was ein Häkchen werden soll, krümme man beizeiten.’ Und die wenigen, die dann solchen pädagogischen Kunststücken entgehen, wandern als Anarchisten ins Gefängnis oder fliehen, angeekelt, ins Ausland. Und wenn es dann wie 1914 zum Klappen kommt, dann folgt das Volk blindlings irgendwelchem Narren, den die Gnade Gottes an die Spitze gestellt hat. Zwei Millionen Tote allein in Deutschland, 4 Millionen Verwundete, 132 Milliarden Goldmark an Reparationen, Zertrümmerung des wirtschaftlichen Apparates, allgemeine Verarmung – das sind die Erfolge der staatlichen Erziehungskunst, die das Individuum ertötet und nichts anderes übrig lässt als Masse, Masse im Reichstag, Masse im Beamtenapparat, Masse bei den Richtern, Masse bei den Wissenschaftlern, Künstlern, Lehrern, Pfaffen, Masse, Masse.
   ‚An den Früchten werdet ihr sie erkennen!’ Wie war es mit der Inflation? Hier treten die glänzenden Erfolge des staatlichen Bildungsmonopols ins volle Sonnenlicht. War es im Heerwesen individuelle Feigheit, die uns ins Unglück stürzte, so handelt es sich hier direkt um Massenblödsinn, Stumpfsinn, unglaubliche Gefühlsrohheit, Gedankenlosigkeit, Hilflosigkeit. Wie eine Herde Schafe, der der Wolf den Leithammel gewürgt hat, und die nun nicht mehr den Weg zum Stall findet, so benahm sich das auf den Staatsinstituten dressierte deutsche Volk. Jeder sah, dass die deutsche Währung von Narren geführt wurde; und wer es nicht sah, der spürte es wenigstens. Und trotzdem duldete das Volk zehn volle Jahre die Luderwirtschaft, ließ sich die Spargelder eskamotieren und unterwarf sich, ohne zu murren, den blödsinnigen wirtschaftlichen Verordnungen. Alle erwarten von „oben“ die Rettungsaktion. Der Autoritätsglaube saß so tief verankert, dass jeder ausgelacht wurde, der es versuchte, dem Volk Verständnis für die Währungsfrage beizubringen. Dafür seien ja die Herren Professoren an den Universitäten da! Wenn diese schwiegen, so sei dies der beste Beweis, dass alles in Ordnung sei in der Verwaltung unseres Geldwesens. … Unausrottbarer Autoritätsglaube. Noch heute erwartet das Volk alles Heil von der ‚Regierung’. Es lehnt es glatt ab, durch Studium der öffentlichen Angelegenheiten die Kontrolle über die öffentlichen Angelegenheiten auszuüben. Schacht z. B. macht, was er will. Er treibt Tausende und Tausende von Kaufleuten in den Bankrott; er liefert bewusst zwei Millionen Mann dem Elend der Arbeitslosigkeit aus, er lässt das Volk völlig im Unklaren über seine künftige Politik. Macht nichts. Man gehorcht, keiner muxt. Wie auf dem Kasernenhof. Die staatlichen Erziehungsinstitute haben dafür gesorgt, dann niemand muxt. Wenn diesen Instituten als Ideal der Erziehung der Bürger mit beschränktem Untertanenverstand vorschwebte, dann wahrhaftig hat man dort mit bewundernswertem Erfolg gearbeitet. Ausrottung des kritischen Sinnes, Ausrottung des Wissenstriebes, des Dranges nach Erkenntnis, des Bedürfnisses nach wissenschaftlicher Klarheit. …
   ‚An den Früchten werdet ihr sie erkennen!’ Eben sprachen wir vom Untertanenverstand. Wie steht es mit dem Untertanengemüt? Auch hier wieder zeigte uns die Inflation, wie wenig die staatlichen Institute davon übrig gelassen haben. Das deutsche Volk weiß, wie es mit denen steht, die dem Staat das für ihr Alter und für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit mit oft unsäglicher Mühe gesparte Geld anvertraut hatten. Man weiß es, denn man liest es alle Tage in den Zeitungen, dass die Greise, die Witwen, die Kranken aus Not sich erhängen und vergiften. Tatenlos, wohl nur wegen absoluter Gefühllosigkeit schaut das Volk diesen Ereignissen zu. Und während hier das schreckliche Elend herrscht, ist der Reichstag gewillt, den Fürsten riesige Vermögen in den Rachen zu werfen. Und von den 40 Millionen Wählern, die zum Volksbegehren aufgerufen wurden, fanden sich nur 12 Millionen, also knapp ein Drittel, bereit, die dreisten, rohen, gefühllosen Forderungen der Fürsten zurückzuweisen. 12 von 40 Millionen, von je drei nur einer!! Kann man sich eine größere Rohheit vorstellen? Von je drei Mann sind in Deutschland zwei Mann bereit, zuzusehen, wie die Greise, denen die Fürsten und ihre Lakaien den Sparschatz unterschlugen, aus Not sich erhängen, während die fahnenflüchtigen Fürsten das Geld zur Bestreitung protzenhaften Luxus ausgehändigt wird! Das sind wahrhaftig glänzende Erfolge staatlicher Erziehungskunst.“

Die glänzenden Erfolge der staatlichen Erziehung des deutschen Volkes (1926),
in: Band 16, S. 171 – 174.


   „Der Staat bemächtigt sich der Seele des Kindes ganz gewiss nicht aus pädagogischen und humanitären Gründen. … Der Staat, d.h. die am Staat interessierten Kräfte verfolgen ausschließlich politische Zwecke. Der Staat will nicht das Glück der Kinder. Er benutzt die Kinder für seine Ziele. Wer das eingesehen hat und über Mittel verfügt, der entzieht dem Staate seine Kinder. Der ‚Führer durch das private Unterrichtswesen Deutschlands’ (Verlag Ullstein, Berlin) enthält die Adressen von über 2000 solcher Unternehmungen. Wie die Machthaber über ihr Machwerk denken und es im Grunde verachten, dass erkennt man daran, dass sie ihre Kinder, die Prinzen z.B., nicht in die Staatsschule schicken. Dafür sind sie ihnen zu gut. Wie groß wäre die Zahl der privaten Schulen, wenn diese nicht mit dem unlauteren Wettbewerb der Staatsschulen zu kämpfen hätten. Die Eltern, die diese 2000 Privatschulen finanzieren, müssen nämlich obendrein noch die Staatsschulen mit ihren Steuern unterhalten. … Mit dem Abbau der Staatsschulen behält jeder die Mittel für den privaten Unterricht seiner Kinder in der Tasche. … Ein einziges Schulprogramm für 10 Millionen Kinder! Seit 100 Jahren werden die Kinder auf das Prokrustesbett des Schulprogramms gespannt. … Wohin solche Uniformierung des Geistes der Kinder und damit selbstverständlich auch der Erwachsenen führt, das sehen wir heute. Statt 65 Millionen Menschen, Personen, Individualitäten beherbergt das Reich nur einen Menschen, den uniformierten Menschen wie ein Sandkorn unter 65 Millionen Sandkörnern, wie ein Schaf in einer Herde von 65 Millionen Schafen. Diese 65 Millionen betrachten natürlich alles, was sich ereignet, von einem und demselben Standpunkt. Und wie es scheint, sollen sie das auch, weil das als Zweck der geistigen Uniformierung, als Zweck der Staatsschule angesehen wird. Ein uniformiertes Volk von 65 Millionen, eine Herde von 65 Millionen Schafen lässt sich ja viel leichter führen, auch ins Unglück, in den Krieg, in Schmach und Schande und Reparationen, als ein in 100.000 privaten Schulen mit 100.000 verschiedenen Programmen herangebildetes Volk von Individuen. Diese betrachten dann alle Ereignisse von 100.000 verschiedenen Standpunkten; es bilden sich 100.000 Gesichtswinkel, die sich gegenseitig kontrollieren und ergänzen. … Das uniformierte Volk hat dagegen nur einen Standpunkt, einen Gesichtswinkel. Die Möglichkeiten des Vergleiches, worin sich schließlich alles Denken auflöst und erschöpft, fehlen. Wenn ein solches System lückenlos durchgeführt würde, wenn nicht vom Ausland her das System durchlöchert würde, wenn die Handwerksburschen und Wandervögel nicht wären, dann würde ein solches Volk an Entropie, an allgemeiner Lähmung, an Selbstvergiftung zugrunde gehen. Da alle das Bild von derselben Seite, mit denselben Augen sehen, stockt auch gleich die Unterhaltung und die Gesellschaft nimmt dann ihre Zuflucht zum Klatsch, zum Parteiskandal, zum Trunk. Die Uniform ertötet jeden Fortschritt. … Mit den Hochschulen steht es genau so. … Wirtschaftliche Gründe können niemanden mehr daran hindern, seinen Erkenntnisgelüsten zu frönen. Eine Grenze für solches Studium gibt es nicht mehr, weder in der Zeit noch im Gebiete des Studiums. Menschen mit wirklich ‚abgeschlossener Bildung’ wird man dann nur noch auf dem Friedhof finden. Das ganze Leben wird so zur ‚Studienzeit’.“

Der abgebaute Staat (1927), in: Band 16, S. 332 – 336.

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