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LESEPROBEN 12 | Frauen und Männer, Kinder
und Familien

   „Die Münzreform duldet keine Konvenienz- und Geldheiraten, sie macht Ehebruchsgesetze unnötig. Die Münzreform lässt jeder Frau freien, selbstständigen Willen bei der Wahl ihres Lebensgefährten. Keine Not noch andere Rücksichten wird sie bei dieser Wahl beeinflussen; sie nimmt der Frau somit auch jeden Grund, selbständig dem Manne gegenüber stehen zu wollen.
   Die Münzreform entscheidet die Frauenfrage in dem Sinne, dass die Frau keinen besonderen Beruf zu lernen braucht, dass Ehegatten ein einziges harmonisches Wesen bilden, nur eine Seele, nur einen Gedanken haben, und dass es darum auch zwecklos ist, für einen Gedanken, für eine Seele zwei Stimmzettel bei der Wahl abzugeben.“

Nervus rerum (1891), in: Band 1, S. 139 – 140.


   „Die Frauen werden den Männern gegenüber selbständiger werden. Bei der Zuchtwahl werden körperliche und geistige Vorzüge statt der Hektare den Ausschlag geben. Die monströsen Interessenehen, diese kapitalistische Sodomie, werden vom Lande verschwinden. Nach Beseitigung der Privatgrundrente und noch mehr nach Beseitigung des Zinses wird jede Frau imstande sein, ihr Brot und das ihrer Kinder in der Landwirtschaft zu verdienen. Ob die Rückkehr der Frau zur Landwirtschaft nicht der ‚Frauenfrage’ die glücklichste Lösung geben würde?“

Die Verwirklichung des Rechts auf den vollen Arbeitsertrag (1906), in: Band 4, S. 71.


   „Der Boden soll der privaten Bewirtschaftung durch die Pacht übergeben werden. Eigentumsrechte werden nicht gegeben. Die Pacht wird in öffentlicher Versteigerung meistbietend festgestellt. Das Geld fließt in die Reichskasse und wird gleichmäßig unter die Mütter und Kinder verteilt. Die Grundrente steht im Verhältnis zur Volksdichtigkeit. … Von Rechts wegen und nach dem Grundsatz ‚Suum cuique’ gehört also den Müttern die Grundrente und zwar im Verhältnis zum individuellen Beitrag jeder Mutter … zur Zahl ihrer Kinder.“

Die physiokratische Lohntheorie (1912), in: Band 7, S. 79.


   „Die Ehe soll fester denn je, aber nur durch die Bande gegenseitiger freier Liebe geschlossen werden. Der Zwang aber fällt weg.“

Die Auslese durch das Christentum, den Krieg und den physiokratischen Frieden (1913),
in: Band 7, S. 225.


   „Nicht dem Geld, nicht verbrieften Vorrechten, sondern der Tüchtigkeit, der Kraft, der Liebe, der Weisheit der Eltern müssen die Kinder ihre Erfolge verdanken.“

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), S. XV.


   „Das Pachtgeld fließt in die Staatskasse und wird restlos in Monatsbeträgen unter die Mütter nach der Zahl der Kinder verteilt. Keine Mutter, einerlei woher sie kommt, kann von diesen Bezügen ausgeschlossen werden.“

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), Band 11, S. 72.


   „So wird in der natürlichen Wirtschaftsordnung der Frau das freie Wahlrecht verbürgt, und zwar nicht das inhaltsleere politische Wahlrecht, sondern das große Zuchtwahlrecht, dieses wichtigste Sieb bei der Auslesetätigkeit der Natur. … Ob die Rückkehr der Frau zur Landwirtschaft nicht der ‚Frauenfrage’ die glücklichste Lösung geben würde?“

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. XXI und 92.


   „Der Staat hat auch die allerzarteste Blüte des Menschenlebens mit Beschlag belegt. Die Staatsmaschine greift in das Liebesleben ein. Sie führt ähnlich wie der Tierzüchter ein Stallbuch, das sie Zivilstandsregister nennt, und erklärt alle Ehen für ungültig, die nicht in diesem Buche eingetragen werden. Die missglückten, von ihm selbst geschlossenen Ehen hält er gewaltsam zusammen, indem er der Ehescheidung Hindernisse in den Weg legt. So verstößt der Staat gegen den in jedem Menschen lebendigen tiefen Glauben, dass nur aus einem durch nichts anderes als Liebe vereinten Paar normale, glückliche, harmonische Menschen entspringen können. Das Eingreifen des Staates in die Ehe hat zur notwendigen Folge, dass das Verantwortlichkeitsgefühl des Menschen in Bezug auf das Liebesleben abgestumpft wird.“

Der Abbau des Staates nach Einführung der Volksherrschaft (2. Aufl. 1921), in: Band 13, S. 73.


   „Die Frau muss wirtschaftlich unabhängig vom Manne sein. Dann erst kann sie wählen statt zu zählen. Dann kann sie der Stimme der Liebe gehorchen und ihren geheimsten Wünschen folgen. … Somit verlangt die optimistische Lebensauffassung, die uns an eine Höherentwicklung des Menschen glauben lässt, weder Gebote noch Verbote. Sie erfordert nichts als Freiheit. Die Freiheit, nach freiem Ermessen zu handeln. Die Freiheit der Liebe. Die Freiheit der Ablehnung. Die Freiheit, die Fesseln zu lösen, die gemeinsames Leben schmiedet. … Die Freiheit einer Neuwahl. … Aber auch die Freiheit, auf die Mutterschaft vollkommen zu verzichten. … Die Frauen sind heute unfrei. Der Grund dafür ist ein künstlicher, liegt in unserer Wirtschaftsordnung, die reines Menschenwerk ist und die die Frau … in völlige Abhängigkeit des Mannes gebracht hat. … Auch der Mann wird zum Sklaven, zum Sklaven der Laster, wenn er nicht mehr unter der Kontrolle der Freiheit der Frau ist. … So sehen wir also, wie die Zukunft des Menschengeschlechtes davon abhängt, dass die Frau wirtschaftlich befreit wird. … Die Freiheit des Mannes verlangt ebenfalls die Freiheit der Frau.“

Der Aufstieg des Abendlandes (1923), in: Band 14, S. 210 und 213 - 214.


   „Oft hatte sie vom Feste der unbefleckten Empfängnis gehört und hatte immer den heimlichen Wunsch gehegt, auch einmal auf unbefleckte Weise zu einem Knaben zu kommen. Unbefleckt durch die Einmischung des Staates, der Kirche, durch die Einwirkung der Umgebung. So hatte die Unschuldige das Wort verstanden. Nun hatte sie zur Sommerzeit mit ihrem Liebsten eine Fahrt unternommen und hatte die Nacht der Sonnenwende auf dem höchsten Gipfel des Gebirges verbracht. Dort oben, dem Himmel am nächsten, umfangen von den frischen Morgenwinden, bestrahlt von der aufgehenden Sonne feierte sie das persönliche Fest der unbefleckten Empfängnis. … Wer aber hätte gedacht, dass auch hier oben das Auge des Gesetzes wachte? Plötzlich stand sie da, die doppelte Reihe blinkender Messingknöpfe. Der Gendarm, der seinen Rausch dort oben ausgeschlafen hatte, nahm öffentliches Ärgernis an Susannas unbefleckter Empfängnis. Ihr Name wurde aufgeschrieben, sie kam vors Gericht und musste eine Buße zahlen. … Der Knabe war durch die Unehelichkeit befleckt. Vieles hatten Mutter und Kind zu erdulden. …
   Ja, ja, Susanne, so geht es. Wer unbefleckt empfangen will, der hat sich den Gesetzen des Pöbels zu unterwerfen. Über dem Gesetze Gottes stehen der Staat, die Uniform, der Messingknopf. Ein andermal gehst du vorher zum Standesamt, nimmst einen Haufen Papiere mit, dann begibst du dich sittsam in deine Proletarierwohnung. Und wenn links von dir die keifende Stimme der Nachbarin die Kinder zur Ruhe bringen will, wenn rechts von dir der betrunkene Ehegatte sein kreisendes Weib verprügelt, wenn das ganze Haus verpestet ist mit dem Dunst von hundert Küchen, dann, dann, Susanne, sind alle Vorbedingungen der staatlichen Ordnung erfüllt für die Feier der unbefleckten Empfängnis.“

Susannas unbefleckte Empfängnis (1925), in: Band 15, S. 328.


   „Sicher hat der Mann, der den ersten Zaunpfahl einschlug und der damit nach Rousseau das Fundament zum heutigen Staat legte, nicht geglaubt, dass dieser Zaunpfahl so viele Wurzeln treiben, so vielartige Früchte tragen würde. … Die neueste Blüte des Zaunpfahles ist der vom Regierungs- und Medizinalrat Boeters in Chemnitz ausgearbeitete Gesetzentwurf, wonach alle Frauen, die zwei uneheliche Kinder geboren haben, deren Vaterschaft zweifelhaft ist, der Sterilisierung unterworfen werden. Der Entwurf segelt unter der Fahne ‚Rassenhygiene’ und ist als Zusatz zu den Strafgesetzen gedacht. Uns wundert der ungeheuerliche Plan nicht im Geringsten. Der Staat will alles beherrschen und die Menschen, die keinen persönlichen Daseinszweck mehr haben, in einer gewaltigen Orgie fressen. Zehn Millionen Männer, 10 Millionen, fraß er bereits im letzten Krieg. Warum soll er jetzt nicht auch Frauen und Kinder fressen? … Wir erwarten vom Staat noch ganz andere Dinge als Kriegshekatomben, als die Vergötterung der Kriegshelden, als die Kastration aller politischen Gegner und die Ausrottung aller, die für Staatszwecke unbrauchbar erklärt wurden. Die preußischen Könige trieben bereits für Staatszwecke Kuppelei, Riesenkuppelei in Potsdam. … Der Staat würde die Menschen in Kasernen züchten. … Sobald die Wissenschaft etwas mehr Licht hinter die Vererbungsgesetze gestreut haben wird, werden ganz bestimmt die Bürokraten mit ihren Forderungen hervortreten. … Die Natur liebt es, immer neue Formen zu schaffen. Der Bürokrat aber hasst diese neuen Formen. Er sterilisiert alles, was nicht in die Uniform passt. Er ändert lieber die Natur als die Uniform. … Dr. Boeters will vorerst nur die Wehrlosen, die Frauen und Kinder, sterilisieren, mutig dem Gesetz des geringsten Widerstandes folgend. Hat er aber einmal festen Fuß gefasst, dann werden selbstverständlich auch die Männer mit dem Bisturi bearbeitet werden. … Als römischer Beamter hätte dieser moderne Blaubart glattweg die Jungfrau Maria sterilisiert. … Selbstverständlich hätte der Bürokrat Boeters als römischer Generalsterilisator auch den unehelichen Sohn Marias, Jesus Christus, sterilisiert. … Dr. Boeters schändet die Frauen im ‚Interesse’ der Rassenhygiene. Wir fragen ihn, ob er auch die Mütter der 352 Kinder des Königs August von Polen und Kurfürsten von Sachsen sterilisiert haben würde im Interesse der Rassenhygiene? … Der Weg, den uns Dr. Boeters zeigt, führt in die Irre.“

Im Rachen des Staates (1925), in: Band 15, S. 346 – 349.


   „Nirgendwo tritt die durch den Militarismus gezüchtete allgemeine Rohheit, Gefühllosigkeit und Barbarei so krass in Erscheinung wie in der Tatsache, dass in Deutschland und anderen Kulturländern die Sterblichkeit unter den unehelichen Kindern ganz erheblich größer ist als unter den ehelichen Kindern.“

Die Sterblichkeit unter den unehelichen Säuglingen (1926), in: Band 16, S. 225.


  „Die heute so viel geübte Abtreiberei halte ich für das größte Leid, das über eine Frau kommen kann. … Schrecklich ist die Lage der unversorgten schwangeren Frau, grässlich die Lage der Frau, die sich von der Frucht auf unnatürliche Weise zu befreien gedenkt. Nicht die Abtreibung, sondern die Mütterrente gibt die Lösung dieses menschlichen Dramas.“

Brief an Charlotte Blumenthal-Spörry (undatiert 1926), in: Band 18, S. 326.

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